Kann ich mit Shopify einen B2B-Shop erstellen?
Ja. Shopify B2B ist eine Sammlung nativer Funktionen im Shopify-Admin, mit der du Geschäftskunden verkaufst, ohne Zusatzsystem und ohne separate Plattform.
Der entscheidende Unterschied zu früher: Bis vor Kurzem war „B2B on Shopify" tatsächlich Shopify Plus vorbehalten, davor gab es lediglich den inzwischen abgekündigten Wholesale Channel. Weil diese Änderung noch jung ist, hält sich die alte Annahme hartnäckig. Heute gilt laut Shopify: Die B2B-Funktionen sind in Basic, Grow, Advanced und Plus ohne Zusatzkosten enthalten, die meisten davon in allen Plänen.
Shopify B2B Shop: die zwei möglichen Setups
Ein Shopify B2B Shop lässt sich auf zwei Arten umsetzen. Entweder du bedienst Geschäfts- und Privatkunden über denselben Shop und spielst B2B-Kunden nach dem Login eigene Preise aus. Oder du legst einen dedizierten, reinen B2B-Shop an, der ausschließlich Nettopreise zeigt und hinter einem Login liegt. Welcher Weg besser passt, hängt vor allem am Sortiment und am Steuerthema, dazu weiter unten mehr.
Die nativen B2B-Funktionen von Shopify
Unternehmen und Unternehmenssitze
Statt einzelner Kundenkonten legst du deine Geschäftskunden als Unternehmen an. Jedes Unternehmen kann mehrere Standorte haben, mit eigenen Adressen, Zahlungs- und Versandbedingungen. Für die zugehörigen Ansprechpartner vergibst du Berechtigungen auf Standortebene, etwa Standort-Admin oder Bestellwesen. So bestellt der Einkäufer einer Filiale nur für seine Filiale.
Kataloge und kundenspezifische Preise
Über B2B-Kataloge weist du bestimmten Unternehmen eigene Produktauswahlen und Preise zu. Das ist das Herzstück: prozentuale Rabatte, feste Preise pro Artikel oder komplett eigene Preislisten je Kundengruppe.
Mengenregeln und Mengenrabatte
Du definierst Mindestbestellmengen, Maximalmengen und Abnahmeschritte (etwa nur volle Kartons zu je zwölf Stück) sowie Staffelpreise, die ab bestimmten Mengen greifen.
Zahlungsbedingungen
Netto-Zahlungsziele wie Netto 30 oder Netto 60 gehören zum B2B-Standard und sind nativ abbildbar, inklusive automatischer Zahlungserinnerungen und hinterlegter Kreditkarten.
Bestellentwürfe und Checkout
Du kannst Bestellentwürfe in Rechnungen umwandeln oder einen Warenkorb aus dem Checkout in einen Bestellentwurf überführen, etwa zur internen Freigabe. Im B2B-Checkout stehen PO-Nummern (Bestellreferenzen) zur Verfügung, und Kunden können frühere Bestellungen mit wenigen Klicks nachbestellen.
Vertrieb und Storefront
Vertriebsmitarbeiter erhalten eigene Berechtigungen, um im Namen von Kunden zu handeln. Für die Storefront bringt Shopify mit dem Trade-Theme ein auf Großhandel ausgelegtes Theme mit sowie eine Schnellbestellliste, mit der Einkäufer Artikelnummern direkt in den Warenkorb tippen, statt sich durch Kategorien zu klicken. Über Shopify Flow lassen sich B2B-Objekte automatisieren, etwa die Freigabe neuer Firmenkunden.
Shopify B2B nach Tarif: was geht in welchem Plan?
Diese Übersicht basiert auf Shopifys offizieller Dokumentation (Stand: Juli 2026). Damit siehst du auf einen Blick, welche Funktion in welchem Plan verfügbar ist.
Wann lohnt sich Shopify Plus für B2B?
Aus der Tabelle ergibt sich eine klare Antwort, und sie fällt nüchterner aus als oft behauptet. Plus brauchst du für B2B erst, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Du brauchst mehr als drei B2B-Kataloge, etwa weil du viele Kundengruppen mit jeweils eigenen Preisen bedienst.
- Du willst Kataloge direkt einzelnen Unternehmen oder Standorten zuweisen, statt sie über B2B-Märkte zu verteilen.
- Du arbeitest mit Anzahlungen, Teilzahlungen oder Zahlungsaufforderungen pro Lieferung.
Für internationalen B2B-Handel ist die Schwelle bereits der Advanced-Plan: Der kontextbezogene Checkout und die kontextbezogene Storefront über Shopify Markets, also länderspezifische Preise, Währungen und Inhalte, gibt es erst ab Advanced.
Alles andere, was ein typischer deutscher Großhändler braucht, funktioniert bereits im Basic-Plan. Wann sich Plus insgesamt lohnt, rechnen wir in unserem Shopify-Plus-Leitfaden durch.
Nettopreise, USt-ID und Steuern: das deutsche B2B-Thema
Hier liegt die größte Lücke, die Shopify nicht nativ schließt und über die die meisten Leitfäden schweigen. Im deutschen B2B gelten andere Spielregeln als im Endkundengeschäft:
- Nettopreise statt Bruttopreise. Geschäftskunden erwarten Preise ohne Umsatzsteuer. In einem gemischten Shop, der Privat- und Geschäftskunden bedient, kollidiert das mit der Pflicht zur Bruttopreisauszeichnung gegenüber Verbrauchern.
- USt-ID-Prüfung und steuerfreie Lieferung. Verkaufst du an ein Unternehmen in einem anderen EU-Land mit gültiger Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, ist die Lieferung in der Regel steuerfrei (Reverse-Charge-Verfahren). Dafür muss die USt-ID geprüft und dokumentiert werden.
In der Praxis löst man das auf zwei Wegen. Entweder du trennst B2B und B2C sauber, etwa über einen dedizierten B2B-Shop oder über Kundengruppen, denen ausschließlich Nettopreise ausgespielt werden. Oder du ergänzt Apps, die Netto- und Bruttoanzeige steuern und die USt-ID validieren, etwa Exemptify oder vergleichbare Lösungen aus dem Shopify App Store. Häufig ist eine Kombination beider Wege sinnvoll.
Ein Hinweis: Das ist eine technische Einordnung, keine Steuerberatung. Wie du Umsatzsteuer, Reverse Charge und Rechnungsstellung konkret abbildest, klärst du mit deiner Steuerberatung.
B2B und B2C in einem Shop oder getrennt?
Beides geht, und die Entscheidung hängt weniger an der Technik als am Sortiment und an der Steuer.
Ein gemeinsamer Shop lohnt sich, wenn du dasselbe Sortiment an beide Gruppen verkaufst, dein Team nur einen Katalog pflegen will und die Zahl der Geschäftskunden überschaubar ist. Der Nachteil: Die Netto-Brutto-Frage wird komplizierter, und die Storefront muss für zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen funktionieren.
Ein dedizierter B2B-Shop lohnt sich, wenn Preise, Sortiment und Ansprache klar auseinanderfallen, wenn ausschließlich Nettopreise gezeigt werden sollen oder wenn der Shop hinter einem Login liegen soll. Der Preis dafür sind ein zweiter Shop und damit doppelte Pflege.
Was kostet ein B2B-Shop auf Shopify?
Die gute Nachricht zuerst: Für die B2B-Funktionen selbst zahlst du keinen Aufpreis. Sie sind laut Shopify in allen genannten Plänen enthalten. Die Kosten entstehen an anderer Stelle:
- Der Shopify-Plan. Basic reicht für viele B2B-Setups. Advanced wird nötig für internationalen B2B, Plus bei sehr vielen Katalogen oder Anzahlungen. Die aktuellen Tarife findest du in unserem Artikel zu den Shopify Kosten.
- Apps. Vor allem für Netto-Anzeige und USt-ID-Prüfung, teils für erweiterte Preislogiken.
- Die Anbindung an ERP oder Warenwirtschaft. Der mit Abstand größte Kostentreiber in B2B-Projekten.
- Die Umsetzung selbst. Datenmodell, Kundengruppen, Preislisten, Theme und Prozesse.
Eine seriöse Pauschale gibt es nicht: Ein Großhändler mit 50 Firmenkunden und einem Katalog ist ein anderes Projekt als ein Hersteller mit Kundengruppen, ERP-Anbindung und internationalem Vertrieb. Was dein Setup kostet, lässt sich erst nach einem kurzen Blick auf Sortiment, Kundenstruktur und Systemlandschaft sagen.
Welche B2B-Plattform ist die beste?
„Am besten" hängt davon ab, wie komplex dein Großhandel ist. Ein ehrlicher Vergleich der gängigen B2B-Shopsysteme:
Für die meisten mittelständischen Händler und Hersteller ist Shopify inzwischen die pragmatischste Wahl: Die Standard-B2B-Anforderungen sind nativ abgedeckt, und der Aufwand für Betrieb, Sicherheit und Updates entfällt. Wer eine hochindividuelle Preis- und Konditionslogik mit tiefen ERP-Abhängigkeiten hat, sollte Shopware oder Adobe Commerce ernsthaft prüfen. Wie sich Shopify und Shopware sonst schlagen, liest du in unserem Vergleich Shopware vs. Shopify.
ERP-, PIM- und Warenwirtschafts-Anbindung
In B2B-Projekten entscheidet selten das Frontend über Erfolg oder Scheitern, sondern die Schnittstelle. Preise, Kundenkonditionen, Lagerbestände und Bestellungen liegen im ERP, nicht im Shop. Für gängige Systeme wie xentral, JTL oder Sage gibt es Standardkonnektoren, für SAP oder Microsoft Dynamics läuft die Anbindung meist über Middleware oder eine individuelle Integration.
Zwei Empfehlungen aus der Praxis: Kläre die Schnittstelle vor dem Shop-Design, nicht danach. Und definiere früh, welches System die führende Datenquelle für Preise und Kunden ist. Wenn beide Systeme Preise „besitzen", entstehen Konflikte, die später teuer werden. Solche Integrationen setzen wir im Rahmen unserer Shopify-App- und Custom-Entwicklung um.
Häufige Fehler bei Shopify-B2B-Projekten
- Zu früh auf Plus setzen. Viele Projekte buchen Plus, obwohl Basic oder Advanced die benötigten Funktionen abdeckt.
- Die Steuerfrage zu spät stellen. Netto-Anzeige und USt-ID-Prüfung sind kein Detail am Ende, sondern bestimmen, ob B2B und B2C in einem Shop überhaupt sinnvoll zusammengehen.
- Kundengruppen ohne Konzept. Wer Preislisten wild anlegt, verliert nach 20 Firmenkunden den Überblick. Erst das Konditionsmodell, dann die Kataloge.
- Die ERP-Anbindung aufschieben. Der häufigste Grund, warum B2B-Projekte aus dem Zeitplan laufen.
- B2C-Denken im B2B-Frontend. Einkäufer wollen keine Inspiration, sondern Schnellbestellung, Nachbestellung und klare Konditionen.
Praxisbeispiel: Matchary
Wie stark der Unterschied ist, zeigt unser Projekt mit Matchary, Deutschlands erstem Matcha-Syrup-Hersteller. Rund 85 Prozent der Bestellungen kamen von Gastronomiebetrieben und anderen Geschäftskunden, der Shop war aber als klassischer B2C-Shop aufgesetzt.
Daraus entstanden genau die zwei Probleme, die in diesem Artikel eine Rolle spielen. Erstens ließen sich Kunden nicht sinnvoll gruppieren, sodass unterschiedliche Kundengruppen keine unterschiedlichen Preise sehen konnten. Zweitens vermischten sich B2C- und B2B-Logik steuerlich, weil Brutto- und Nettopreise im selben Shop nebeneinanderstanden.
Mit dem Umstieg auf Shopify B2B haben wir beides gelöst: Im B2B-Bereich werden ausschließlich Nettopreise ausgespielt, Kundengruppen erhalten eigene Konditionen, und Mengenrabatte sowie kundengruppenspezifische Rabatte greifen automatisch. Für Matchary heißt das: sauberes Steuerhandling, planbare Konditionen und ein Shop, der endlich zu der Kundschaft passt, die 85 Prozent des Geschäfts ausmacht.
Fazit: Shopify B2B ist zugänglicher, als die meisten denken
Die wichtigste Erkenntnis: Für einen professionellen B2B-Shop auf Shopify brauchst du kein Plus. Firmenkonten, Preislisten, Mengenrabatte, Zahlungsziele und Bestellentwürfe sind ab dem Basic-Plan dabei. Die eigentliche Arbeit liegt nicht in der Lizenz, sondern im Konditionsmodell, im Steuerthema und in der ERP-Anbindung.
Du willst deinen Großhandel auf Shopify abbilden oder einen bestehenden Shop B2B-fähig machen? Wir sind die Shopify Agentur, die genau das umsetzt, von Kundengruppen und Preislisten über das Steuerhandling bis zur ERP-Schnittstelle. Lass uns deinen Shopify-Shop erstellen oder deinen bestehenden Shop auf B2B umstellen.
Autor
Mit über zehn Jahren Erfahrung im E-Commerce hilft Peyman Marken dabei, Shopify-Shops zu entwickeln, die nicht nur gut aussehen, sondern nachhaltig Umsatz bringen. Als Gründer von refrsh verbindet er technisches Shopify-Know-how mit einem klaren Blick für Conversion und Markenführung.
